Sprache und Vernunft in der Auseinandersetzung zwischen Locke und Leibniz ĂĽber die Moral
Locke
hat die meisten moralischen Begriffe bekanntlich zu der Klasse der zusammengesetzten
Ideen gerechnet, die er als ”gemischte Modi” bezeichnete. Die Entwicklung
dieser Modi verläuft im Grunde genommen willkürlich, d. h. ohne die Leitung
natürlicher Muster – wie im Falle der Substanzen. Eingeschränkt wird
diese Entwicklung nur von der durch die pragmatischen Gesichtspunkten der
jeweiligen Sprachgemeinschaften, die aber ĂĽberhaupt nicht aus einer im
Vorhinein gegebenen, überindividuellen Vernunt hergeleitet werden können.
Die sprachliche Fundiertheit der moralischen Grundbegriffe bring also ein
gutes Stück Relativität ins Bild.
In
meinem Vortrag soll zunächst der Gedankengang von Locke sowie die darauf
gegebene Antwort von Leibniz kurz skizziert werden. AnschlieĂźend soll
die Frage gestellt werden, ob und inwieweit sich Lockes Gedankengang mit
seiner Ansicht über die ”echte Grundlage der Moralität” in Einklang
bringen läßt, bzw. ob die beiden verborgenen Moralphilosophien von Locke
bzw. Leibniz — trotz der divergierenden Erkenntnistheoretischen Grundpositionen
— überraschende Strukturähnlichkeiten aufweisen.