Vom
Impressionismus zum Nationalismus.
Sprache
(und Nation) bei Hermann Bahr
Das Referat geht von der scheinbar verblüffenden Tatsache aus, daß sich einer der prononciertesten Vertreter jener künstlerischen Bewegung, die man gemeinhin mit dem Etikett ”Jung Wien” versehen hat , einer Bewegung also, die für ihre Sensibilität gegenüber der Sprache bekannt ist, kaum explizit mit dieser beschäftigt hat.
Bei eingehender Betrachtung von Hermann Bahrs Werk stellt sich dies jedoch differenzierter dar. Zwar fehlen systematische sprachreflexive Äußerungen, doch existieren durchaus interessante Stellungnahmen zum Thema. Dabei ist auffällig, daß diese nicht nur verstreut publiziert wurden und völlig unterschiedlichen literarischen Gattungen entstammen sondern auch stets den jeweils dominanten Denkfiguren Bahrs untergeordnet wurden.
Am Beispiel von einigen, zum Teil völlig unterschiedlichen Textsorten soll Bahrs Reflexion der Sprache veranschaulicht werden. Mit dem mehrfach abgedruckten Essay ”L’ècriture artiste”, weiters dem Roman ”Drut”, der mit den Tagebüchern aus jener Zeit kontrastiert wird und schließlich den bisher selbständig noch unpublizierten Tagebüchern aus den Jahren 1927-32 aus dem ”Neuen Wiener Journal” wird ein Bogen bis in Bahrs letzte Schaffenszeit gespannt. Wobei man die bestimmenden Denkfiguren mit den Schlagworten ”Impressionismus”, ”Barock”, ”Reform Österreichs” und schließlich ”Volk” und ”Rasse” umreißen könnte.
Ausgehend von den behandelten Texten soll Bahrs geistige Entwicklung ablesbar werden, eine Entwicklung, die vielleicht gar nicht so große Brüche auweist, wie er selbst mitunter suggerierte und wie die ältere Forschung bereitwillig anzunehmen bereit war. Denn bezogen auf die Sprache, scheint hinter all den Reflexionen das das Problem der sprachlichen Mitteilbarkeit zu stehen.
Zuletzt könnte noch ein kleiner Exkurs auf Hermann Bahrs Rezeption des Werks von Fritz Mauthner mit dem er seit den 90er Jahren in Verbindung stand, folgen. Auch dabei soll gezeigt werden, wie sehr er dessen Denken in seine eigenen Konzepte (Hinwendung zum Mythos, Judentum) integriert.