Klaus Puhl:


Nation, kulturelle Differenz und Liminalität


 Mein Vortrag untersucht zunächst den engen Zusammenhang zwischen dem Begriff der Nation — der Inszenierung einer nationalen Kultur, Geschichte und Identität — und der theoretischen und sozio-politischen Etablierung von Differenzierungen, Hierarchisierungen, Marginalisierungen und Ausgrenzungen bestimmter ethnischer, sprachlicher, ökonomischer etc. Gruppen. Im zweiten Teil soll dann mit Hilfe des Begriffs der Liminalität argumentiert werden, daß die der Konstruktion von Nationen zugrundeliegende Vorstellung klar umrissener kultureller Identitäten und Hierachien sich daran blamiert, daß kulturelle Differenzen niemals einfach und statisch, sondern ambivalent und sich ständig verändernd sind und die Spuren anderer Bedeutungen und Identitäten tragen, und zwar besonders jener, die gerade ausgeschlossen werden sollten. Der liminale Charakter kultureller Bedeutung erlaubt es, Differenz zu denken, ohne sie an Hierachien und Oppositionen zu binden.