Miklós
Lehmann
Ungarische
Akademie der Wissenschaften,
Institut
der Philosophie
Die
zu dem Bild werdende Welt
Bild,
Sprache und Bildsprache
Resümee
In
diesem Beitrag möchte ich einige Aspekte solcher Theorien untersuchen, die
sich mit der Möglichkeit einer Bildsprache beschftigen. Allzuerst mache
ich kurz einen Vergleichung zur Bildsprache und Wörtersprache, von dem
Status des Bildes und des Wortes, um den verschiedenen Charakter vorzuweisen.
Meiner Absicht nach werden diese Unterschiede zeigen, da die Bilder die Welt,
die Wahrheit auf einer ganz anderen Art wiederspiegeln, als die Wörter und
die Sprache - deshalb ist es fraglich, ob man Bildsprache nach dem Muster der
Wörtersprache schaffen kann. Die bildliche Wiederspiegelung hat
verschiedene Effekte auch auf das Denken - das wird unter anderem durch dem
Begriff des Wel
tbildes
und der Ab
bildungstheorie
der Sprache gezeigt.
Abstract
In
this paper I'm going to deal with some theories, wich study the possibility of
a picture language. I will make a sketchy comparison between the language with
the pictures and the words, the status of the pictures and the words, to claim
that different characters of those exist. I intend to show, how the pictures
reflects the world, the reality in a quite distinct way than the words or
propositions - thus it is questionable wether it is possible to construct a
picture language on the pattern of spoken or written language. The pictorial
reflection has an influence on thinking, that can be experienced among others
in the pictorial metaphors of the language and the pictorial theory of the
language.
Der
Titel - ”Die zu dem Bild werdende Welt” - ist eine Paraphrase aus
einem Schrift von Martin Heidegger,
Die
Zeit des Weltbildes
(Heidegger 1977). Mit dieser Paraphrase möchte ich andeuten, da die
Verwandlung der Kommunikation und der Medien eine abstraktere Dimension haben -
es ist erfahrbar nicht nur in der Kulturkritik oder Kulturphilosophie, sondern
auch in der Metaphysik. Diese Verwandlung hat nicht nur unser Denken, sondern
auch unsere Erfahrung verndert: die Welt selbst wird - nach Heidegger - "als
Bild gesehen".
Danach
möchte ich über einige mögliche Auffassungen von der
Kommunikation mit den Bilden reden. Ich möchte beweisen, da die Konzepte
grundverfehlt sind, in dem sie versuchen die Bilder nach dem Modell der Sprache
vorzustellen.
Zuletzt
will ich zusammenfassen, wie diese zwei, von einander scheinbar
unterschiedliche Themen mit einander zusammenhngen. Diesen Zusammenhang zeigt
auch der Untertitel dieses Vortrages - "Bild, Sprache und Bildsprache". Es ist
wichtig zu sehen, da der Status der Bilder ihre Rolle in der Kommunikation
fixiert, genau so wie das Bild von der zu dem Bild werdende Welt.
I.
In
dem Begriff des Weltbildes erkennt Heidegger eine negative Tendenz unserer
Zeitalter: man besichtigt die Seiende auf der eigenen Bühne des Menschen.
Das bedeutet, da das Seiende immer auf dieser Bühne erscheinen und sich
vorstellen mu - oder, mit den Wörter von Heidegger, es auf dieser
Bühne "zum Bild werden" mu. Sonst wird der Mensch davon keine Kenntnis
nehmen. Mit den Begriffen "sich ein Bild von etwas machen" oder "sich etwas
vorstellen" bestimmt man diesen Proze, und sie sind mehr als Metaphern: sie
zeigen den bildartigen Charakter dieses Verfahrens, was grüdlich
unteschiedlich von den sprachlichen Verfahren ist.
Was
bedeutet: sich ein Bild machen? Das Seiende vor uns vorzustellen, so, wie es
ist, und stndig vor uns so zu halten. Zu einem solchen Bild gehört dann
die Helligkeit, die Klarheit und die Vollstndigkeit. Das ist ein sicheres
Wissen, das Seiende ist immer angeordnet.
In
diesem Sinn ist das Weltbild kein Bild von der Welt, sondern selbst die als
Bild aufgefasste Welt. Und dieses Bild wird bestimmen, was die Seiende ist,
überhaupt, was wir als Seiende betrachten werden. Heidegger betont hier
den Zug, da das Seiende für und in dem Mensch scheint: der Mensch wird zu
dem Zentrum, für den das Seiende vorgestellt wird - so wird der Mensch zum
Subjekt: "Weltbild, wesentlich verstanden, meint daher nicht ein Bild der Welt,
sondern die Welt als Bild begriffen. Das Seiende im Ganzen wird jetzt so
genommen, da es erst und nur seiend ist, sofern es durch den
vorstellend-herstellenden Menschen gestellt ist." (Heidegger 1977: 89). Hier
ist aber auch ein anderer Zug, was zu betonen sich lohnt: das ist der Charakter
von diesem Bildes. Das bedeutet, da die Welt nicht mit Wörtern oder mit
Propositionen geschrieben wird, sondern als ein Ganzes, als ein grozügiges
Bild gesehen.
Es
ist ein sehr interessanter Gedanke, wenn wir es in Bezug auf die Verwandlung
der Kommunikation von der Gegenwart betrachten. Das Wesen dieses Problems ist,
da die Welt sich verndert wird: die Welt als Bild ist in mehrerer Hinsicht von
der sprachlich wahrgenommenen Welt verschieden.
Der
erste gröere Unterschied ist, da die Information auf einem Bild simultan
ist, whrend es in der Sprache linear und sukzessiv ist. Auf dem Bild ist alles
gleich "dort", wir können die Verhltnisse und die Verbindungen sofort
ermessen, whrend in der Sprache nur die sukzessive Dinge sind, die unmittelbare
Verbindungen haben. Die Ordnung ist ganz andere: auf dem Bild kommt sie aus
diesen Verbindungen, in der Sprache aber aus der Linearitt, in welcher die
Wörter, die Stze, die Gedanken auf einander folgen. Aber die Dinge selbst
erscheinen auch auf eine andere Weise: in der Sprache verwendet man Kategorien,
auf dem Bild aber gibt es keine Kategorien, nur Einzeldinge.
Zusammenfassend,
wenn die Welt wirklich als Bild erscheint, dann ist das eine Andeutung, da die
Weltanschauung und das Denken des Menschen sich verndert hat. Und dieser
Vorgang, worüber Heidegger schreibt, ist derselbe Vorgang, den wir bei der
Vernderung der neuen Medien beobachten können.
II.
Jetzt
möchte ich auf eine andere Theme übergehen. In den vorigen Gedanken
habe ich entworfen, welche wichtigste Eigenschaften die Bilder gegen die
Sprache charakterisieren. Das kann wesentlich sein, denn in den Theorien
über die Kommunikation mit den Bilder findet man mehrere Auffassungen von
der Natur der Bilder. Es ist kein Wunder: der Begriff des Bildes hat ganz viele
Bedeutung. Nur ein Beispiel: die dreifache Einteilung von den Zeichen nach
Peirce - Ikon, Index und Symbol - ist auch hier verwendbar. Ein Bild kann man
auch als Ikon, als Index oder auch als Symbol stehen. (Zum Beispiel: ein
"rauchen verboten" piktogram ist ein Ikon; ein Anblick einer Fuspur ist ein
Index; und manche Verkehrstafeln - z. B. "Einfahrt verboten" - sind Symbole)
Wenn
wir über die Kommunikation mit den Bildern reden, können wir auch
verschiedene Begriffe des Bildes benutzen. Und eben das tun die Theoretiker,
die sich mit der Bildtheorie bescheftigen. Wittgenstein und Neurath sind
berühmte und gute Beispiele dazu (ich werde hier ihre Theorien nicht
thematisch verhandeln, nur möchte ich einige Züge betonen; eine gute
Analyse ist bei Roser [1998] zu finden).
Die
Hauptthese, die ich schon in der Einführung gezeichnet habe, lautet so:
die Theorien über die Kommunikation mit den Bilder benutzen ein
Bildbegriff, der viele gemeinsame Eigenschaften mit den Wörtern und Stzen
in der Sprache hat. Man könnte sagen, da die Theoretiker diese
Kommunikation vorstellen, wie die Sprache. Neurath ist ganz eindeutig in dieser
Frage: er schreibt über "Bildsprache" oder "visuelle Idealsprache", das
heit, da die Züge dieser Sprache gleich wie die der wörterlichen
Sprache sind, aber die Materie ist unterschiedlich.
Das
Problem ist kurz die folgende: wenn wir über Bildsprache reden, dann
setzen wir voraus, da diese visuelle Sprache eine Grammatik und Elemente hat,
die in dem Vorgang der Kommunikation gleiche Rolle spielen wie in der
Wörtersprache. In diesem Fall sind die Bilder Symbole, wie die
Wörter. Neurath betont, da diese Grammatik universell und nicht von der
Kultur abhngig ist. Das Lieblingsbeispiel von Neurath sind die gyiptischer
Wandmalereien, deren Interpretation leicht für jeder Mensch ist. Diese
Grammatik ist innerhalb von dem Bild und nicht zwischen den Bildern, wie bei
der Wörtersprache zwischen den Wörtern. In diesem Fall ist die
Grammatik wirklich überall verstehbar, weil wenn wir den visuellen Anblick
interpretieren können, dann können wir alle Bilder auch interpretieren.
Die
Annherung von Wittgenstein ist eben gekehrt: in seinen frühen Schriften
hat er die Sprache wie die Bilder vorgestellt. Wir können es vielleicht
klassische
Abbildungstheorie
nennen: die Sprache bildet die Welt auf dieselbe Weise ab, wie wir uns Bilder
über die Welt machen. "Wir machen uns Bilder der Tatsachen" (Wittgenstein
1969: 14 [2.1]), und diese Tatsachen bilden die Welt
[1].
Die Verhltnisse der Elemente auf dem Bild wiederspiegeln die Verhltnisse oder
die Ordnung der Tatsachen in der Welt, und diese Beziehungssystem bestimmt die
Verbindung des Bildes zu der Wirklichkeit.
[2]
Die Maler der Renaissance hatten sich die Abbildung hnlich vorgestellt und
Gitter als Hilfsmittel benutzt. Stellen wir vor, wenn wir die Dinge durch ein
Gitter schauen, dann können wir sie leicht auf ein vergitterte Blatt
abbilden, die Vergitterung zeigt przis die Verhltnisse der Dinge. Oder wir
können auch die Dinge durch dieses Gitter und unseren Gesichtspunkt mit
einer Linie verbinden (Wittgenstein schreibt auch bildhaft über die
Abbildung: "Diese Zuordnungen sind gleichsam die Fühler der Bildelemente,
mit denen das Bild die Wirklichkeit berührt." (1969: 15 [2.1515]).
Die
Abbildung der Wirklichkeit würde bei den Bildern ebenso wie bei der
Wörtersprache durch Projektionsverfahrens geschehen. Man kann verschiedene
Projektionsverfahrens whlen, und die Subjekt-Prdikat-Stze sind nur eine Art der
Projektion.
[3]
Also,
die Propositionen sind nach dem Muster der Bilder gebildet, und die Bilder
haben solche Eigenschaften, wie die Propositionen - "Die Sprache (das Reden)
interessiert uns nur dann, wenn sie etwas portretiert /abbildet/" (Wittgenstein
1995: 249) Der Sinn eines Bildes (oder einer Proposition) ist, was es
darstellt; und ein Bild, wie eine Proposition, kann wahr oder falsch sein.
[4]
Der Gedanke, der bildlich ebenso wie sprachlich erscheinen kann, ist wahr, wenn
er die Wahrheit, die Tatsachen wiederspiegelt, und "Die Gesamtheit der wahren
Gedanken sind ein Bild der Welt" (Wittgenstein 1969: 17 [3.01]), oder ein
Weltbild.
Spter
wurde Wittgenstein - mit dem Begriff des Sprachspieles - dieser Auffassung sich
entgegenkehrt. Das eindeutige Bild der Welt, das seine frühere Theorie
eingab, wurde zerstört und sowohl die Sprache, wie auch die Bilder wurden
von dem Kontext und der Kultur abhngig. In dieser Relativitt können die
Bilder der Sprache helfen, indem sie ein Muster für die korrekte Anwendung
der Sprache zeigen können. Die Bilder können als Ergnzung der
Kommunikation dienen,
[5]
insofern sie die von der Mehrdautigkeit herrührende Miverstndnisse
vermindern können, aber die Bilder kein solches Mittel darstellen, das
universell verstehbar wre. Eine Bildsprache könnte eine unabhngige Sprache
sein, welche die Übersetzung erleichtern könnte; es wre eine
allgemeine Sprache, worauf alle Sprachen zurückführbar wren.
Wittgenstein findet das in der
Philosophische
Untersuchungen
(mit der Bestimmung der Sprachspiele) nicht möglich; aber die Intention
von Neurath ist ebenso das.
Neurath's
Bestrebung nach einer universellen Sprache ist eng mit seiner internationalen
Enzyklopdie der Einheitswissenschaft verbunden. Die bildliche, graphische
Darstellung hilft hier nicht nur bei der Eliminierung der Mehrdeutigkeit,
sondern auch bei dem allgemeinen Verstehen: "Es ist offensichtlich, da diese
Enzyklopdie nicht nur die Vereinheitlichung der Wissenschaftssprache anstreben
wird, sondern auch eine der
graphischen
Darstellung
.
Graphen und andere Darstellungen sind ebenfalls Mittel, sich wissenschaftlich
auszudrücken. Und alle Bilder der Enzyklopdie werden aus standardisierten
Elementen aufgebaut sein... (...) Die Enzyklopdie, die sich an ein sehr groes
Publikum wendet, wird dadurch an Verstndlichkeit gewinnen." (Neurath 1981: Bd.
II. 722) Die Enzyklopdie benutzt Neurath's ISOTYPE (International System of
Typographic Pictorial Education), eine Bildersprache, die zur Visualisierung
vor allem der politischen und ökonomischen Wissenschaften ausgearbeitet
wurde. Diese Bildersprache besteht aus einem Lexikon der Bilderzeichen und
einer Zeichensgrammatik, wie eine Wörtersprache. Die Bildersprache kann
die vielfaltigkeit der verschiedenen wissenschaftlichen Sprachen
vereinheitlichen (Neurath macht uns mehrmals darauf aufmerksam, da diese
Vielfaltigkeit das gegenseitige Verstehen verhindert), und reinigt die
Wissenschaften von den metaphysischen Zustzen der einzelnen Kulturen.
III.
Ist
aber die Bildsprache tatschlich der Wörtersprache so hnlich? Das ist, wie
ein Bildergeschichte: wir batrachten die Bilder als Mitteln, die die Sprache
erstzen können, und die Wörtersprache als etwas, was die Bilder
restlos beschreiben kann. Und wenn wir diese Miverstndnisse vermeiden wollen,
müssen wir feststellen, was die Unterschiede oberflchlich zwischen Bild
und Wort sind. Einige Unterschiede haben wir schon überschaut, jetzt
brauchen wir aber auch eine andere Hinsicht zu überlegen.
Erstens,
ein Bild ist immer analog mit seinem Gegenstand. Das heit, da das Verhltnis
zwischen Bild und seinem Gebraucher immer unmittelbar ist, es braucht keine
Vertmittelnzeuge. Diese analogizitt garantiert, da die Bilder - im Sinn von
Neurath - für alle Menschen verstehbar sind. Es ist kein Wunder, da die
von der Kultur unabhngige Kommunikation immer mit analogen Mitteln vorgestellt
wurde. Das ist keine künstliche Sprache, sondern - nach Neurath - eine
Idealsprache. Es ist aber nicht so problemlos, wenn wir auch Bilder
berücksichtigen, die fiktiv oder abstrakt sind. Nehmen wir das Beispiel
des Rorschach-testes: die abstrakte Formen, mit denen wir noch nicht getroffen
haben, sind mehrdeutig. Die Prinzipien der Bildsprache nach Neurath sind also
gültig nur für die gewöhnlichen, herkömmlichen Bilder.
Die
Analogizitt ist auch gut ausnutzbar bei den Raumrelationen, aber nicht bei den
Zeitrelationen. Die Artikulierung in der Zeit bleibt die Eigenschaft der
Sprache (z. B. wie kann ein Bild die Vergangenheit ausdrücken?).
Dieser
Charakter (die Analogizitt) ist verantwortlich weiterhin dafür, da die
Bilder eine so groe Wirklichkeitskraft haben - gröer, als die Wörter.
Ein Bild nehmen wir als Wirklichkeit, als eine Tatsache, wie die Welt selbst
an. Die Propositionen über die Welt können recht oder falsch sein,
aber ein Bild kann bei Neurath nur recht sein. Dieser Unterschied kann man mit
dem Begriff
'visuelle
Argumente'
ergreifen, die die Bildsprache benutzt - whrend die Wörtersprachen
Propositionen benutzen.
Die
Analogizitt ergibt aber nicht nur Eindeutigkeit: die Aspekte, von denen man das
dargestellte Ding besichtigen kann, können die Abbildung mehrdeutig
machen; man kann immer einen anderen Aspekt finden, von dem das Bild etwas
anderem hnlich ist (vgl. Eco 1994: 178 und die berühmte Ente-Hase Zeichen
von Wittgenstein). Es scheint so, da die Bilder engere Grenzen haben, als die
Wörtersprachen, weil sie keine solche Elastizitt haben, wie das
wörtliche Sprachsystem. Eco bezeichnet sechs Eigenschaften, die alle
Bildsprachetheorien schwchen und die Möglichkeiten der reinen visuellen
Sprachen begrenzen: sie verhindern, da man die Bildsprache wirklich universell
und allgemeinverstndlich benutzen kann.
[6]
Es
gibt eine interessante Diskussion in der Psychologie, die parallel mit unserem
Thema ist: welche Representationen verwendet die Erinnerung, Propositionen oder
Bilder? Die Experimente beweisen, da der Anblick in die Propositionen nicht
übersetzt wird (zum Beispiel: wie können wir auf einen Bahnhof
erinnern: keine Propositionen fallen uns ein, sondern wir "sehen" vor uns den
Bahnhof. Aber wir sehen es nicht als ein wirkliches Bild: wir können nicht
genau sagen, wieviel Fenster das Gebude des Bahnhofs hat. Das ist also kein
wirkliches Bild, sondern eine Skizze). Diese Bilder - oder Skizze - können
wir nicht mit der Hilfe von endlichen Reihen von Propositionen beschreiben. Die
Beschreibung wird immer Propositionen enthalten, die noch andere Propositionen
brauchen.
Ein
anderer Beweis ist, da man besser auf etwas erinnert, wenn es Bilder, oder
Bilder und Propositionen enthlt. Ein gutes Beispiel dafür ist die
Mnemotechnik des Sprachstudiums: die Wörter sind besser lehrbar, wenn wir
sie an ein Bild binden. Diese Experimente zeigen, da die Bilder gröere
Bedeutung haben, als könnte man nur zu der Sprache fügen; sie sind
autonome und von der Sprache unabhngig.
IV.
Diese
Überlegungen können gut zeichnen, welche Unterschiede zwischen
Sprache und Bildsprache sind. Es kommt mir vor, als wollte Wittgenstein in
seinen spteren Werken die Bilder - infolge von ihren Charakter - zu der
Ergnzung der Sprache benutzen (es ist bekannt, da Wittgenstein mehrere
Bildzeichungen in seinen Werke verwendete
[7]).
Die Bilder sind jenseits von der Sprache; und so können sie von den Dingen
handeln, über die keine Beschreibung geben kann. Ist die Bildsprache auch
ein Sprachspiel? Ja, wenn die Bildsprache eine Grammatik hat. Aber wenn es
wirklich jenseits von der Sprache ist, dann ist es kein Sprachspiel. Die
Bildsprache von Neurath bleibt innerhalb der Grenzen der Sprache, whrend die
Bilder von Wittgenstein auerhalb der Grenzen "spielen" möchten - wenn ich
dieses Wort benutzen darf. Das Wort "Grammatik" hat also bei Wittgenstein eine
ganz andere Bedeutung, als bei Neurath. Es ist eine Frage, ob man dieses Wort
bei der Bilder überhaupt benutzen kann.
Zuletzt
möchte ich noch eine Schlufolgerung dazu machen, was die nicht
ausgesprochene Vorausszetzung jeder Theorien über die Kommunikation mit
Bilder ist. Es kommt aus den Prinzipien, die die Natur des Denkens beschreiben.
Nmlich, ob das Denken zu der Sprache gebunden ist, oder ist es vor der Sprache?
Wenn es zu der Sprache gebunden ist, so kann die Bildsprache nur sekundr sein -
und es ist unmöglich, weil in diesem Fall alles mit der Sprache
beschreibbar wre. Die Theorie des sprachlichen Denkens ist wegen der
sprachlichen Metapher sehr überzeugend. Diese Strke zeigt auch, da Neurath
die Kommunikation mit den Bildern auch nach dem Vorbild der Sprache denkt.
Heidegger
konnte nicht die Betrachtung der Welt als Bild akzeptieren, weil er das Sein
und das Seiende sprachlich ergreifen wollte - er sah keine andere
Möglichkeit; die Welt als Bild gesehen ist ein Zeichen des Untergangs des
Denkens, weil das Medium des Denkens nur die Sprache ist. Neurath wollte die
Kommunikation mit Bilder, wie eine Sprache erschaffen - eine Bildsprache.
Wittgenstein wollte zuerst die Wörtersprache mit dem Begriff der Abbildung
beschreiben, dann die Grenzen der Kommunikation soweit ausdehnen, da die Bilder
der Sprache Hilfe leisten.
Wenn
wir den Unterschied von der Natur der Sprache und des Bildes in Betracht
nehmen, können wir uns eine Bildsprache so vorstellen, da die Bilder
auerhalb von der Sprache sein werden. Also, man kann eine Kommunikation mit den
Bildern nur so erschaffen, wenn man von dem Vorbild der sprachliche
Kommunikation - sowohl in dem Denken, als auch in dem Aufbau und in der
Struktur - abweicht. Bilder und Wörter: verschiedene Arten der Anherung
der Wirklichkeit, sie aber besitzen nicht den Charakter der anderen.
Noten
[1]”Die
Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge” (Wittgenstein
1969: 11 [1.1])
[2]”Das
sich die Elemente des Bildes in bestimmter Art und Weise zu einander verhalten,
stellt vor, das sich die Sachen so zu einander verhalten.
Dieser
zusammenhang der Elemente des Bildes heie seine Struktur und ihre
Möglichkeit seine Form der Abbildung.” (Wittgenstein 1969: 15 [2.15])
[3]Siehe
Wittgenstein 1994a: 63 oder 1995b: 239
[4]”Was
das Bild darstellt, ist sein Sinn.” (Wittgenstein 1969: 16 [2.221])
”Das
Bild stimmt mit der Wirklichkeit überein oder nicht; es ist richtig oder
unrichtig, wahr oder falsch.” (Wittgenstein 1969: 16 [2.21])
[5]Oder
die Bilder können auer dem Sprachspiel helfen, sie kann man ”als
‘verlngerten Arm der Schriftsprache’ verstehen, gleichsam als eine
Fortsetzung der Zeichensprache mit anderen Mitteln.” (Roser 1998: 33)
[6]”Jedes
dieser vorgeschlagene rein visuellen Systeme prsentiert sich somit als 1.)
Segment einer artifiziellen Sprache, 2.) mit
quasi
internationalen
Ausdehnung, 3.) geeignet zu sektoriell begrenztem Gebrauch, 4.) bar aller
kreativen Möglichkeiten, der andernfalls ihre rigoros denotative Kraft
verloren ginge, 5.) ohne eine Grammatik mit der Fhigkeit, eine unbestimmte oder
unendliche Folge von Stzen zu generieren, 6.) ungeeignet zur Entdeckung vom
Neuem, da jedes Ausdruckselement stets einem zuvor festgelegten und schon
bekannten Inhalt entspricht.” (Eco 1994: 170)
[7]Die
Deutsche Ludwig Wittgenstein Gesellschaft an der Universitt Passau hat die
Zeichen von Wittgenstein gesammeln. Man kann es bei der folgenden Adresse finden:
http://www.phil.uni-passau.de/dlwg/graphischer_nachlass/graph_nachlass.html
Literatur
Eco,
Umberto (1994).
Die
Suche nach der vollkommenen Sprache
.
München: C.H. Beck
Heidegger,
Martin (1977). "Die Zeit de Weltbildes". In: Heidegger, Martin.
Holzwege
(Gesamtausgabe, Band 5). Frankfurt am Main: Klostermann, 75-113
Neurath,
Otto (1981).
Gesammelte
philosophische und methodologische Schriften
.
Wien: Hölder-Pichler-Tempsky
Roser,
Andreas (1998). "Gibt es autonome Bilder?"
Grazer
Philosophische Zeitung
52: 9-43
Wittgenstein,
Ludwig (1969).
Schriften
1
.
Frankfurt am Main: Suhrkamp
Wittgenstein,
Ludwig (1994a).
Philosophische
Bemerkungen
.
Wiener Ausgabe Bd. I. hrsg. v. M. Nedo. Wien: Springer
Wittgenstein,
Ludwig (1994b).
Philosophische
Bemerkungen
.
Wiener Ausgabe Bd. II. hrsg. v. M. Nedo. Wien: Springer
Wittgenstein,
Ludwig (1995a).
Philosophische
Bemerkungen
.
Wiener Ausgabe Bd. III. hrsg. v. M. Nedo. Wien: Springer
Wittgenstein,
Ludwig (1995b).
Bemerkungen
zur Philosophischen Grammatik
.
Wiener Ausgabe Bd. IV. h
rsg.
v. M. Nedo. Wien: Springer