Miklós Lehmann
Ungarische Akademie der Wissenschaften,
Institut der Philosophie

Die zu dem Bild werdende Welt
Bild, Sprache und Bildsprache

Resümee

In diesem Beitrag möchte ich einige Aspekte solcher Theorien untersuchen, die sich mit der Möglichkeit einer Bildsprache beschftigen. Allzuerst mache ich kurz einen Vergleichung zur Bildsprache und Wörtersprache, von dem Status des Bildes und des Wortes, um den verschiedenen Charakter vorzuweisen. Meiner Absicht nach werden diese Unterschiede zeigen, da die Bilder die Welt, die Wahrheit auf einer ganz anderen Art wiederspiegeln, als die Wörter und die Sprache - deshalb ist es fraglich, ob man Bildsprache nach dem Muster der Wörtersprache schaffen kann. Die bildliche Wiederspiegelung hat verschiedene Effekte auch auf das Denken - das wird unter anderem durch dem Begriff des Wel tbildes und der Ab bildungstheorie der Sprache gezeigt.

Abstract

In this paper I'm going to deal with some theories, wich study the possibility of a picture language. I will make a sketchy comparison between the language with the pictures and the words, the status of the pictures and the words, to claim that different characters of those exist. I intend to show, how the pictures reflects the world, the reality in a quite distinct way than the words or propositions - thus it is questionable wether it is possible to construct a picture language on the pattern of spoken or written language. The pictorial reflection has an influence on thinking, that can be experienced among others in the pictorial metaphors of the language and the pictorial theory of the language.

Der Titel - ”Die zu dem Bild werdende Welt” - ist eine Paraphrase aus einem Schrift von Martin Heidegger, Die Zeit des Weltbildes (Heidegger 1977). Mit dieser Paraphrase möchte ich andeuten, da die Verwandlung der Kommunikation und der Medien eine abstraktere Dimension haben - es ist erfahrbar nicht nur in der Kulturkritik oder Kulturphilosophie, sondern auch in der Metaphysik. Diese Verwandlung hat nicht nur unser Denken, sondern auch unsere Erfahrung verndert: die Welt selbst wird - nach Heidegger - "als Bild gesehen".
Danach möchte ich über einige mögliche Auffassungen von der Kommunikation mit den Bilden reden. Ich möchte beweisen, da die Konzepte grundverfehlt sind, in dem sie versuchen die Bilder nach dem Modell der Sprache vorzustellen.
Zuletzt will ich zusammenfassen, wie diese zwei, von einander scheinbar unterschiedliche Themen mit einander zusammenhngen. Diesen Zusammenhang zeigt auch der Untertitel dieses Vortrages - "Bild, Sprache und Bildsprache". Es ist wichtig zu sehen, da der Status der Bilder ihre Rolle in der Kommunikation fixiert, genau so wie das Bild von der zu dem Bild werdende Welt.
I.
In dem Begriff des Weltbildes erkennt Heidegger eine negative Tendenz unserer Zeitalter: man besichtigt die Seiende auf der eigenen Bühne des Menschen. Das bedeutet, da das Seiende immer auf dieser Bühne erscheinen und sich vorstellen mu - oder, mit den Wörter von Heidegger, es auf dieser Bühne "zum Bild werden" mu. Sonst wird der Mensch davon keine Kenntnis nehmen. Mit den Begriffen "sich ein Bild von etwas machen" oder "sich etwas vorstellen" bestimmt man diesen Proze, und sie sind mehr als Metaphern: sie zeigen den bildartigen Charakter dieses Verfahrens, was grüdlich unteschiedlich von den sprachlichen Verfahren ist.
Was bedeutet: sich ein Bild machen? Das Seiende vor uns vorzustellen, so, wie es ist, und stndig vor uns so zu halten. Zu einem solchen Bild gehört dann die Helligkeit, die Klarheit und die Vollstndigkeit. Das ist ein sicheres Wissen, das Seiende ist immer angeordnet.
In diesem Sinn ist das Weltbild kein Bild von der Welt, sondern selbst die als Bild aufgefasste Welt. Und dieses Bild wird bestimmen, was die Seiende ist, überhaupt, was wir als Seiende betrachten werden. Heidegger betont hier den Zug, da das Seiende für und in dem Mensch scheint: der Mensch wird zu dem Zentrum, für den das Seiende vorgestellt wird - so wird der Mensch zum Subjekt: "Weltbild, wesentlich verstanden, meint daher nicht ein Bild der Welt, sondern die Welt als Bild begriffen. Das Seiende im Ganzen wird jetzt so genommen, da es erst und nur seiend ist, sofern es durch den vorstellend-herstellenden Menschen gestellt ist." (Heidegger 1977: 89). Hier ist aber auch ein anderer Zug, was zu betonen sich lohnt: das ist der Charakter von diesem Bildes. Das bedeutet, da die Welt nicht mit Wörtern oder mit Propositionen geschrieben wird, sondern als ein Ganzes, als ein grozügiges Bild gesehen.
Es ist ein sehr interessanter Gedanke, wenn wir es in Bezug auf die Verwandlung der Kommunikation von der Gegenwart betrachten. Das Wesen dieses Problems ist, da die Welt sich verndert wird: die Welt als Bild ist in mehrerer Hinsicht von der sprachlich wahrgenommenen Welt verschieden.
Der erste gröere Unterschied ist, da die Information auf einem Bild simultan ist, whrend es in der Sprache linear und sukzessiv ist. Auf dem Bild ist alles gleich "dort", wir können die Verhltnisse und die Verbindungen sofort ermessen, whrend in der Sprache nur die sukzessive Dinge sind, die unmittelbare Verbindungen haben. Die Ordnung ist ganz andere: auf dem Bild kommt sie aus diesen Verbindungen, in der Sprache aber aus der Linearitt, in welcher die Wörter, die Stze, die Gedanken auf einander folgen. Aber die Dinge selbst erscheinen auch auf eine andere Weise: in der Sprache verwendet man Kategorien, auf dem Bild aber gibt es keine Kategorien, nur Einzeldinge.
Zusammenfassend, wenn die Welt wirklich als Bild erscheint, dann ist das eine Andeutung, da die Weltanschauung und das Denken des Menschen sich verndert hat. Und dieser Vorgang, worüber Heidegger schreibt, ist derselbe Vorgang, den wir bei der Vernderung der neuen Medien beobachten können.
II.
Jetzt möchte ich auf eine andere Theme übergehen. In den vorigen Gedanken habe ich entworfen, welche wichtigste Eigenschaften die Bilder gegen die Sprache charakterisieren. Das kann wesentlich sein, denn in den Theorien über die Kommunikation mit den Bilder findet man mehrere Auffassungen von der Natur der Bilder. Es ist kein Wunder: der Begriff des Bildes hat ganz viele Bedeutung. Nur ein Beispiel: die dreifache Einteilung von den Zeichen nach Peirce - Ikon, Index und Symbol - ist auch hier verwendbar. Ein Bild kann man auch als Ikon, als Index oder auch als Symbol stehen. (Zum Beispiel: ein "rauchen verboten" piktogram ist ein Ikon; ein Anblick einer Fuspur ist ein Index; und manche Verkehrstafeln - z. B. "Einfahrt verboten" - sind Symbole)
Wenn wir über die Kommunikation mit den Bildern reden, können wir auch verschiedene Begriffe des Bildes benutzen. Und eben das tun die Theoretiker, die sich mit der Bildtheorie bescheftigen. Wittgenstein und Neurath sind berühmte und gute Beispiele dazu (ich werde hier ihre Theorien nicht thematisch verhandeln, nur möchte ich einige Züge betonen; eine gute Analyse ist bei Roser [1998] zu finden).
Die Hauptthese, die ich schon in der Einführung gezeichnet habe, lautet so: die Theorien über die Kommunikation mit den Bilder benutzen ein Bildbegriff, der viele gemeinsame Eigenschaften mit den Wörtern und Stzen in der Sprache hat. Man könnte sagen, da die Theoretiker diese Kommunikation vorstellen, wie die Sprache. Neurath ist ganz eindeutig in dieser Frage: er schreibt über "Bildsprache" oder "visuelle Idealsprache", das heit, da die Züge dieser Sprache gleich wie die der wörterlichen Sprache sind, aber die Materie ist unterschiedlich.
Das Problem ist kurz die folgende: wenn wir über Bildsprache reden, dann setzen wir voraus, da diese visuelle Sprache eine Grammatik und Elemente hat, die in dem Vorgang der Kommunikation gleiche Rolle spielen wie in der Wörtersprache. In diesem Fall sind die Bilder Symbole, wie die Wörter. Neurath betont, da diese Grammatik universell und nicht von der Kultur abhngig ist. Das Lieblingsbeispiel von Neurath sind die gyiptischer Wandmalereien, deren Interpretation leicht für jeder Mensch ist. Diese Grammatik ist innerhalb von dem Bild und nicht zwischen den Bildern, wie bei der Wörtersprache zwischen den Wörtern. In diesem Fall ist die Grammatik wirklich überall verstehbar, weil wenn wir den visuellen Anblick interpretieren können, dann können wir alle Bilder auch interpretieren.
Die Annherung von Wittgenstein ist eben gekehrt: in seinen frühen Schriften hat er die Sprache wie die Bilder vorgestellt. Wir können es vielleicht klassische Abbildungstheorie nennen: die Sprache bildet die Welt auf dieselbe Weise ab, wie wir uns Bilder über die Welt machen. "Wir machen uns Bilder der Tatsachen" (Wittgenstein 1969: 14 [2.1]), und diese Tatsachen bilden die Welt [1]. Die Verhltnisse der Elemente auf dem Bild wiederspiegeln die Verhltnisse oder die Ordnung der Tatsachen in der Welt, und diese Beziehungssystem bestimmt die Verbindung des Bildes zu der Wirklichkeit. [2] Die Maler der Renaissance hatten sich die Abbildung hnlich vorgestellt und Gitter als Hilfsmittel benutzt. Stellen wir vor, wenn wir die Dinge durch ein Gitter schauen, dann können wir sie leicht auf ein vergitterte Blatt abbilden, die Vergitterung zeigt przis die Verhltnisse der Dinge. Oder wir können auch die Dinge durch dieses Gitter und unseren Gesichtspunkt mit einer Linie verbinden (Wittgenstein schreibt auch bildhaft über die Abbildung: "Diese Zuordnungen sind gleichsam die Fühler der Bildelemente, mit denen das Bild die Wirklichkeit berührt." (1969: 15 [2.1515]).
Die Abbildung der Wirklichkeit würde bei den Bildern ebenso wie bei der Wörtersprache durch Projektionsverfahrens geschehen. Man kann verschiedene Projektionsverfahrens whlen, und die Subjekt-Prdikat-Stze sind nur eine Art der Projektion. [3]
Also, die Propositionen sind nach dem Muster der Bilder gebildet, und die Bilder haben solche Eigenschaften, wie die Propositionen - "Die Sprache (das Reden) interessiert uns nur dann, wenn sie etwas portretiert /abbildet/" (Wittgenstein 1995: 249) Der Sinn eines Bildes (oder einer Proposition) ist, was es darstellt; und ein Bild, wie eine Proposition, kann wahr oder falsch sein. [4] Der Gedanke, der bildlich ebenso wie sprachlich erscheinen kann, ist wahr, wenn er die Wahrheit, die Tatsachen wiederspiegelt, und "Die Gesamtheit der wahren Gedanken sind ein Bild der Welt" (Wittgenstein 1969: 17 [3.01]), oder ein Weltbild.
Spter wurde Wittgenstein - mit dem Begriff des Sprachspieles - dieser Auffassung sich entgegenkehrt. Das eindeutige Bild der Welt, das seine frühere Theorie eingab, wurde zerstört und sowohl die Sprache, wie auch die Bilder wurden von dem Kontext und der Kultur abhngig. In dieser Relativitt können die Bilder der Sprache helfen, indem sie ein Muster für die korrekte Anwendung der Sprache zeigen können. Die Bilder können als Ergnzung der Kommunikation dienen, [5] insofern sie die von der Mehrdautigkeit herrührende Miverstndnisse vermindern können, aber die Bilder kein solches Mittel darstellen, das universell verstehbar wre. Eine Bildsprache könnte eine unabhngige Sprache sein, welche die Übersetzung erleichtern könnte; es wre eine allgemeine Sprache, worauf alle Sprachen zurückführbar wren. Wittgenstein findet das in der Philosophische Untersuchungen (mit der Bestimmung der Sprachspiele) nicht möglich; aber die Intention von Neurath ist ebenso das.
Neurath's Bestrebung nach einer universellen Sprache ist eng mit seiner internationalen Enzyklopdie der Einheitswissenschaft verbunden. Die bildliche, graphische Darstellung hilft hier nicht nur bei der Eliminierung der Mehrdeutigkeit, sondern auch bei dem allgemeinen Verstehen: "Es ist offensichtlich, da diese Enzyklopdie nicht nur die Vereinheitlichung der Wissenschaftssprache anstreben wird, sondern auch eine der graphischen Darstellung . Graphen und andere Darstellungen sind ebenfalls Mittel, sich wissenschaftlich auszudrücken. Und alle Bilder der Enzyklopdie werden aus standardisierten Elementen aufgebaut sein... (...) Die Enzyklopdie, die sich an ein sehr groes Publikum wendet, wird dadurch an Verstndlichkeit gewinnen." (Neurath 1981: Bd. II. 722) Die Enzyklopdie benutzt Neurath's ISOTYPE (International System of Typographic Pictorial Education), eine Bildersprache, die zur Visualisierung vor allem der politischen und ökonomischen Wissenschaften ausgearbeitet wurde. Diese Bildersprache besteht aus einem Lexikon der Bilderzeichen und einer Zeichensgrammatik, wie eine Wörtersprache. Die Bildersprache kann die vielfaltigkeit der verschiedenen wissenschaftlichen Sprachen vereinheitlichen (Neurath macht uns mehrmals darauf aufmerksam, da diese Vielfaltigkeit das gegenseitige Verstehen verhindert), und reinigt die Wissenschaften von den metaphysischen Zustzen der einzelnen Kulturen.
III.
Ist aber die Bildsprache tatschlich der Wörtersprache so hnlich? Das ist, wie ein Bildergeschichte: wir batrachten die Bilder als Mitteln, die die Sprache erstzen können, und die Wörtersprache als etwas, was die Bilder restlos beschreiben kann. Und wenn wir diese Miverstndnisse vermeiden wollen, müssen wir feststellen, was die Unterschiede oberflchlich zwischen Bild und Wort sind. Einige Unterschiede haben wir schon überschaut, jetzt brauchen wir aber auch eine andere Hinsicht zu überlegen.
Erstens, ein Bild ist immer analog mit seinem Gegenstand. Das heit, da das Verhltnis zwischen Bild und seinem Gebraucher immer unmittelbar ist, es braucht keine Vertmittelnzeuge. Diese analogizitt garantiert, da die Bilder - im Sinn von Neurath - für alle Menschen verstehbar sind. Es ist kein Wunder, da die von der Kultur unabhngige Kommunikation immer mit analogen Mitteln vorgestellt wurde. Das ist keine künstliche Sprache, sondern - nach Neurath - eine Idealsprache. Es ist aber nicht so problemlos, wenn wir auch Bilder berücksichtigen, die fiktiv oder abstrakt sind. Nehmen wir das Beispiel des Rorschach-testes: die abstrakte Formen, mit denen wir noch nicht getroffen haben, sind mehrdeutig. Die Prinzipien der Bildsprache nach Neurath sind also gültig nur für die gewöhnlichen, herkömmlichen Bilder.
Die Analogizitt ist auch gut ausnutzbar bei den Raumrelationen, aber nicht bei den Zeitrelationen. Die Artikulierung in der Zeit bleibt die Eigenschaft der Sprache (z. B. wie kann ein Bild die Vergangenheit ausdrücken?).
Dieser Charakter (die Analogizitt) ist verantwortlich weiterhin dafür, da die Bilder eine so groe Wirklichkeitskraft haben - gröer, als die Wörter. Ein Bild nehmen wir als Wirklichkeit, als eine Tatsache, wie die Welt selbst an. Die Propositionen über die Welt können recht oder falsch sein, aber ein Bild kann bei Neurath nur recht sein. Dieser Unterschied kann man mit dem Begriff 'visuelle Argumente' ergreifen, die die Bildsprache benutzt - whrend die Wörtersprachen Propositionen benutzen.
Die Analogizitt ergibt aber nicht nur Eindeutigkeit: die Aspekte, von denen man das dargestellte Ding besichtigen kann, können die Abbildung mehrdeutig machen; man kann immer einen anderen Aspekt finden, von dem das Bild etwas anderem hnlich ist (vgl. Eco 1994: 178 und die berühmte Ente-Hase Zeichen von Wittgenstein). Es scheint so, da die Bilder engere Grenzen haben, als die Wörtersprachen, weil sie keine solche Elastizitt haben, wie das wörtliche Sprachsystem. Eco bezeichnet sechs Eigenschaften, die alle Bildsprachetheorien schwchen und die Möglichkeiten der reinen visuellen Sprachen begrenzen: sie verhindern, da man die Bildsprache wirklich universell und allgemeinverstndlich benutzen kann. [6]

Es gibt eine interessante Diskussion in der Psychologie, die parallel mit unserem Thema ist: welche Representationen verwendet die Erinnerung, Propositionen oder Bilder? Die Experimente beweisen, da der Anblick in die Propositionen nicht übersetzt wird (zum Beispiel: wie können wir auf einen Bahnhof erinnern: keine Propositionen fallen uns ein, sondern wir "sehen" vor uns den Bahnhof. Aber wir sehen es nicht als ein wirkliches Bild: wir können nicht genau sagen, wieviel Fenster das Gebude des Bahnhofs hat. Das ist also kein wirkliches Bild, sondern eine Skizze). Diese Bilder - oder Skizze - können wir nicht mit der Hilfe von endlichen Reihen von Propositionen beschreiben. Die Beschreibung wird immer Propositionen enthalten, die noch andere Propositionen brauchen.
Ein anderer Beweis ist, da man besser auf etwas erinnert, wenn es Bilder, oder Bilder und Propositionen enthlt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mnemotechnik des Sprachstudiums: die Wörter sind besser lehrbar, wenn wir sie an ein Bild binden. Diese Experimente zeigen, da die Bilder gröere Bedeutung haben, als könnte man nur zu der Sprache fügen; sie sind autonome und von der Sprache unabhngig.
IV.
Diese Überlegungen können gut zeichnen, welche Unterschiede zwischen Sprache und Bildsprache sind. Es kommt mir vor, als wollte Wittgenstein in seinen spteren Werken die Bilder - infolge von ihren Charakter - zu der Ergnzung der Sprache benutzen (es ist bekannt, da Wittgenstein mehrere Bildzeichungen in seinen Werke verwendete [7]). Die Bilder sind jenseits von der Sprache; und so können sie von den Dingen handeln, über die keine Beschreibung geben kann. Ist die Bildsprache auch ein Sprachspiel? Ja, wenn die Bildsprache eine Grammatik hat. Aber wenn es wirklich jenseits von der Sprache ist, dann ist es kein Sprachspiel. Die Bildsprache von Neurath bleibt innerhalb der Grenzen der Sprache, whrend die Bilder von Wittgenstein auerhalb der Grenzen "spielen" möchten - wenn ich dieses Wort benutzen darf. Das Wort "Grammatik" hat also bei Wittgenstein eine ganz andere Bedeutung, als bei Neurath. Es ist eine Frage, ob man dieses Wort bei der Bilder überhaupt benutzen kann.
Zuletzt möchte ich noch eine Schlufolgerung dazu machen, was die nicht ausgesprochene Vorausszetzung jeder Theorien über die Kommunikation mit Bilder ist. Es kommt aus den Prinzipien, die die Natur des Denkens beschreiben. Nmlich, ob das Denken zu der Sprache gebunden ist, oder ist es vor der Sprache? Wenn es zu der Sprache gebunden ist, so kann die Bildsprache nur sekundr sein - und es ist unmöglich, weil in diesem Fall alles mit der Sprache beschreibbar wre. Die Theorie des sprachlichen Denkens ist wegen der sprachlichen Metapher sehr überzeugend. Diese Strke zeigt auch, da Neurath die Kommunikation mit den Bildern auch nach dem Vorbild der Sprache denkt.
Heidegger konnte nicht die Betrachtung der Welt als Bild akzeptieren, weil er das Sein und das Seiende sprachlich ergreifen wollte - er sah keine andere Möglichkeit; die Welt als Bild gesehen ist ein Zeichen des Untergangs des Denkens, weil das Medium des Denkens nur die Sprache ist. Neurath wollte die Kommunikation mit Bilder, wie eine Sprache erschaffen - eine Bildsprache. Wittgenstein wollte zuerst die Wörtersprache mit dem Begriff der Abbildung beschreiben, dann die Grenzen der Kommunikation soweit ausdehnen, da die Bilder der Sprache Hilfe leisten.
Wenn wir den Unterschied von der Natur der Sprache und des Bildes in Betracht nehmen, können wir uns eine Bildsprache so vorstellen, da die Bilder auerhalb von der Sprache sein werden. Also, man kann eine Kommunikation mit den Bildern nur so erschaffen, wenn man von dem Vorbild der sprachliche Kommunikation - sowohl in dem Denken, als auch in dem Aufbau und in der Struktur - abweicht. Bilder und Wörter: verschiedene Arten der Anherung der Wirklichkeit, sie aber besitzen nicht den Charakter der anderen.

Noten

[1]”Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge” (Wittgenstein 1969: 11 [1.1])
[2]”Das sich die Elemente des Bildes in bestimmter Art und Weise zu einander verhalten, stellt vor, das sich die Sachen so zu einander verhalten.
Dieser zusammenhang der Elemente des Bildes heie seine Struktur und ihre Möglichkeit seine Form der Abbildung.” (Wittgenstein 1969: 15 [2.15])
[3]Siehe Wittgenstein 1994a: 63 oder 1995b: 239
[4]”Was das Bild darstellt, ist sein Sinn.” (Wittgenstein 1969: 16 [2.221])
”Das Bild stimmt mit der Wirklichkeit überein oder nicht; es ist richtig oder unrichtig, wahr oder falsch.” (Wittgenstein 1969: 16 [2.21])
[5]Oder die Bilder können auer dem Sprachspiel helfen, sie kann man ”als ‘verlngerten Arm der Schriftsprache’ verstehen, gleichsam als eine Fortsetzung der Zeichensprache mit anderen Mitteln.” (Roser 1998: 33)
[6]”Jedes dieser vorgeschlagene rein visuellen Systeme prsentiert sich somit als 1.) Segment einer artifiziellen Sprache, 2.) mit quasi internationalen Ausdehnung, 3.) geeignet zu sektoriell begrenztem Gebrauch, 4.) bar aller kreativen Möglichkeiten, der andernfalls ihre rigoros denotative Kraft verloren ginge, 5.) ohne eine Grammatik mit der Fhigkeit, eine unbestimmte oder unendliche Folge von Stzen zu generieren, 6.) ungeeignet zur Entdeckung vom Neuem, da jedes Ausdruckselement stets einem zuvor festgelegten und schon bekannten Inhalt entspricht.” (Eco 1994: 170)
[7]Die Deutsche Ludwig Wittgenstein Gesellschaft an der Universitt Passau hat die Zeichen von Wittgenstein gesammeln. Man kann es bei der folgenden Adresse finden:
http://www.phil.uni-passau.de/dlwg/graphischer_nachlass/graph_nachlass.html

Literatur

Eco, Umberto (1994). Die Suche nach der vollkommenen Sprache . München: C.H. Beck
Heidegger, Martin (1977). "Die Zeit de Weltbildes". In: Heidegger, Martin. Holzwege (Gesamtausgabe, Band 5). Frankfurt am Main: Klostermann, 75-113
Neurath, Otto (1981). Gesammelte philosophische und methodologische Schriften . Wien: Hölder-Pichler-Tempsky
Roser, Andreas (1998). "Gibt es autonome Bilder?" Grazer Philosophische Zeitung 52: 9-43
Wittgenstein, Ludwig (1969). Schriften 1 . Frankfurt am Main: Suhrkamp
Wittgenstein, Ludwig (1994a). Philosophische Bemerkungen . Wiener Ausgabe Bd. I. hrsg. v. M. Nedo. Wien: Springer
Wittgenstein, Ludwig (1994b). Philosophische Bemerkungen . Wiener Ausgabe Bd. II. hrsg. v. M. Nedo. Wien: Springer
Wittgenstein, Ludwig (1995a). Philosophische Bemerkungen . Wiener Ausgabe Bd. III. hrsg. v. M. Nedo. Wien: Springer
Wittgenstein, Ludwig (1995b). Bemerkungen zur Philosophischen Grammatik . Wiener Ausgabe Bd. IV. h rsg. v. M. Nedo. Wien: Springer